20 Jahre Wiedervereinigung: Ein Revueabend der Jgst. 12

Das gedämmte Licht, die Kerzen auf den Tischen, die lebensgroßen Puppen in den Uniformen eines Volkspolizisten und eines Pioniermädchens sowie eine Ausstellung zur DDR - Geschichte versetzten die Zuschauer gleich zu Beginn in eine ruhige, enrsthafte Atmospäre.

Keine Dokumentation mit Zahlen und Fakten sollte es sein, sondern eine Revue, die Empfindungen, Erfahrungen und Fragen aufzeigt. Mit konzentrierter Aufmerksamkeit verfolgten die Zuschauer die schnelle Abfolge der Szenen. Stummes Kopfnicken, nachdenkliche Mienen signalisierten die Identifikation der Zuschauer mit dem Vorge-tragenen und  Dargestellten auf der Bühne.

Unter harten Trommelschlägen wuchs und erstarrte die Mauer, dargestellt von den Jungen des Kurses in schwarzer Kleidung. "Wir sahen die Mauer wachsen, fester, höher, bedrohlicher werden", hieß es in den "Erinnerungen", vorgetragen von der Kursleiterin R. Korte. "Es lebte sich gut im kalten Krieg, wir richteten uns ein, die Feindbilder waren klar. Wir akzeptierten es, dass unsere Wege sich trennten."

Mit Selbstironie, Humor und feiner Kritik waren die Rollenspiele gespickt, die einen Einblick in das Familienleben und die Konsumgewohnheiten in Ost und West gaben. Untermauert wurden sie durch Bild - und Toneinblendungen. Einen besonderen Schwerpunkt hatten die Schüler und Schülerinnen beim Formulieren der Rollenspiele darauf gelegt, auch das sprachliche Auseinanderwachsen der beiden deutschen Staaten zu dokumentieren. Bindeglied zwischen den Rollenspielen war Biermanns Ballade "Ikarus", gekonnt vorgetragen von Thomas Poschmann.

Das "Novembermärchen" , geschrieben und gelesen von Sarah Anders, wurde von pantomimischem Spiel auf der Bühne begleitet und führte dann zum euphorisch gefeierten Mauerfall. Doch Freude und Glückseligkeit wandelten sich wieder in Fragen und Ernsthaftigkeit, als Gedichte und Textauszüge von Autoren der Nachwendezeit vorgetragen wurden (u.a. J. Hensel, P. Sodann, D. Grünbein, S. Kirsch, R. Kunze).

Zu einem Schlussakkord gelangte die Revue dann mit dem kontrastiven Sprechchor:

"Wir kamen in den Westen ..... Wir gingen in den Osten", der mit den Zeilen "Wann wächst zusammen, was zusammen gehört? Wann? Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk!" endete.

Mit anhaltendem Applaus belohnten die Zuschauer die jungen Akteuere, zollten in persönlichen Gesprächen mit ihnen Lob und Bewunderung für die rhetorischen und kreativen Fähigkeiten, für die geschickte Textauswahl und das disziplinierte, harmonische Agieren auf der Bühne.

Ein Zuschauerkommentar: "Es war eine gute Idee, dass das PLG mit dieser Revue auch den Brakeler Bürgern eine Gelegenheit gegeben hat, der Wiedervereinignug vor 20 Jahren zu gedenken."

 

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